Bonhoeffer_Gemeinde


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Andachten, Predigten, Meditationen
in Zeiten der Corona-Virus-Krise

 






Jahreslosung 2020

Ich glaube;
hilf meinem Unglauben!

Markus 9,24



Christus spricht:
"Ich lebe und ihr sollt auch leben!"
Joh.Evangelium 14, 19


Liebe Mitglieder unserer Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde,

auf dieser Sonderseite, die wir zur christlichen Erbauung in Zeiten der Krise eingerichtet haben, können Sie ausgewählte Texte lesen, die Sie erfreuen sollen und vielleicht auch unterstützen können, diese schwere Zeit besser zu überstehen.

Es segne und behüte euch der gnädige und barmherzige Gott. 
Ihre / Eure Friederike Costa  

 

 

Morgengebet Dietrich Bonhoeffers

Gott, zu Dir rufe ich in der Frühe des Tages.
Hilf mir beten
und meine Gedanken sammeln zu Dir;
ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster,
aber bei Dir ist das Licht;
ich bin einsam, aber Du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig, aber bei Dir ist die Hilfe;
ich bin unruhig, aber bei Dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit, aber bei Dir ist die Geduld;
ich verstehe Deine Wege nicht, aber
Du weißt den Weg für mich.

Vater im Himmel,
Lob und Dank
sei Dir für die Ruhe der Nacht;
Lob und Dank sei Dir für den neuen Tag.
Lob und Dank sei Dir für alle Deine Güte
und Treue in meinem vergangenen Leben.
Du hast mir viel Gutes erwiesen,
lass mich nun auch das Schwere
aus Deiner Hand hinnehmen.
Du wirst mir nicht mehr auflegen,
als ich tragen kann. Du lässt Deinen Kindern alle Dinge zum
Besten dienen.

Heiliger Geist,
gib mir den Glauben, der mich vor
Verzweiflung, Süchten und Laster rettet,
gib mir die Liebe zu Gott und den Menschen,
die allen Hass und Bitterkeit vertilgt,
gib mir die Hoffnung, die mich befreit von
Furcht und Verzagtheit.
Heiliger, barmherziger Gott,
mein Schöpfer und mein Heiland,
mein Richter und mein Erretter,
Du kennst mich und all mein Tun.
Du hasst und strafst das Böse in dieser und
jener Welt ohne Ansehen der Person,
Du vergibst Sünden dem,
der Dich aufrichtig darum bittet,
Du liebst das Gute und lohnst es auf dieser
Erde mit einem getrosten Gewissen
und in der künftigen Welt
mit der Krone der Gerechtigkeit.

Herr, was dieser Tag auch bringt, –
Dein Name sei gelobt!

Amen

Friederike Costa

„...ach Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast“

Zum 75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

Liebe Schwestern und Brüder,

diese Zeile aus Dietrich Bonhoeffer Gedicht geht mir in den Tagen von Corona sehr oft durch den Sinn. Ich sehe eine fast menschenleere Stadt; ich vermisse die Menschen auf den Straßen. Ich vermisse auch das Leben und die Begegnungen in meiner Gemeinde.

Heute vor 75 Jahren starb Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürk. Sein 75. Todestag fiel in diesem Jahr auf den Gründonnerstag. Der Tag, an dem Jesus mit seinen Freunden das Passa feierte und ihnen und uns das Abendmahl stiftete. Heute hätten wir in der Bonhoeffer-Gemeinde und den vielen anderen Jenaer Gemeinden ein Tischabendmahl gefeiert. So, wie in allen Jahren zuvor. Aber wir können zu keinen Gottesdiensten einladen. Es wird Hausabendmahlsfeiern geben. Und vielleicht singen wir auch Bonhoeffers Lied und bitten, dass Christus, der uns in Brot und Wein begegnet, auch unseren aufgescheuchten Seelen sein Heil schenkt. Dietrich Bonhoeffer hat dieses Gedicht für seine Eltern, seine Verlobte, seine Geschwister verfasst. Er schrieb es zum Jahreswechsel 1944/ 1945 im Kellergefängnis der Prinz Albrecht Strasse in Berlin. Dietrich Bonhoeffer hatte Christus vor Augen, der nach dem Passamahl hinausgeht auf den Ölberg. Dort, im Garten Gethsemane sagt er den Jüngern: „Betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt.“ Und Lukas berichtet weiter: „Und er riss sich von ihnen los, einen Steinwurf weit, und kniete nieder und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir. Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ Jesus betet zu seinem Vater. Er betet in Todesnot. „Wenn es sein kann, dann lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“

Ich denke an die Geflüchteten, die in heillos überfüllten Lagern in Griechenland festsitzen. Ich denke an ihre Furcht, weil sie gar keine Chance haben, sich vor der Krankheit zu schützen. Ich denke an die von Corona betroffenen Seniorenheime, die Bewohner und alle, die dort Dienst tun. Ich denke an die von der Pandemie besonders schwer getroffenen Städte und Großstädte dieser Welt, ihre Einwohner, Klinikmitarbeiter, die unermüdlichen Helfer. Mit Bonhoeffer möchte ich beten: "Ach Herr, gib unsern aufgescheuchten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast."

Dietrich Bonhoeffer hat als Pfarrer der Bekennenden Kirche und später im politischen Widerstand den Nationalsozialisten die Stirn geboten. Heute vor 75 Jahren wurde er im KZ Flossenbürg getötet. Alle, die ihn kannten, bezeugen, wie sehr er das Leben geliebt hat. Sein Tod ist das bittere und traurige Ende einer mutigen Lebensreise.
Mit seinem ganzen Leben und Denken bezeugte Bonhoeffer die eine Botschaft: Christus ist das Heil der Welt. Aber Christsein ist keine Privatsache. Unser Verhältnis zu Gott ist ein neues Leben im Dasein für andere - ein beherztes, mutiges, solidarisches Leben. Ein Leben in der Nachfolge Jesu.

Grußwort zum Sonntag Jubilate, 03.05.2020 für alle Gemeinden der Propstei Gera-Weimar:

Jubilate! So heißt der heutige Sonntag. Wer ruft heute schon noch zum „Jauchzen“ auf? Die Bibel tut es! Ein herrlich-altmodisches Wort, welches bereits in sich genau das sagt, was es meint. (Versuchen Sie doch mal „jauchzen“ betreten, dunkel, pessimistisch oder gedrückt auszusprechen – Sie werden merken, es klappt nicht!) So ist es auch mit diesem Sonntag. „Jubilate Deo“, jauchzet dem Herrn!“ Wer soll hier jauchzen? Die ganze Welt! Der Psalm 66, der heute Pate steht, bringt es auf den Punkt:
„Jauchzet Gott, alle Lande! Lobsinget zur Ehre seines Namens, rühmet ihn herrlich! Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!“

Jauchzen soll das Land, jauchzen die Welt inmitten einer Seuche, die immer noch durch die Lande zieht und die Welt noch monatelang beschäftigen wird? Ja, jauchzen sollen wir! Heute darüber, dass wir wieder zu Gottesdiensten einladen dürfen, bei denen wir physisch anwesend sind, einander wahrnehmen. Gemeinschaft erleben mit allen Sinnen: das ist ein Geschenk! War uns das immer so deutlich? Jauchzen sollen wir, weil wir als österliche Gemeinde auf dem Weg mit Christus sind, mit dem Herrn über Leben und Tod, vor, während und mit Corona. Der biblische Text aus dem 1. Buch Mose, der Genesis, der diesem Sonntag zugeordnet ist, beschreibt die Schöpfung durch den Schöpfer.
„Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.“
Dieses Licht preisen wir in Jesus, dem Auferstandenen: Wahres Licht vom wahren Licht. Mit ihm wird uns der Blick erhellt, geweitet, gelichtet. Da „hält euch kein Dunkel mehr, von Gottes Angesichte kam euch die Hilfe her.“

Wir haben allen Grund zum Jauchzen! Das, was befürchtet wurde, trat nicht in ganzer Härte ein. Wir erleben gerade, wie wir bewahrt und verschont werden. Gott sei Lob und Dank! Wer sich auf das Jauchzen, auf das Lob Gottes einlässt, wird gelichtet auf das schauen, was kommt. Der Schöpfer selbst geht mit uns. Der Psalmbeter schließt mit der Gewissheit, die so groß ist, dass sie Platz für all unseren Glauben und unseren Unglauben hat:
„Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten!“
Diese Erfahrung schenke Gott Euch allen!

In herzlicher Verbundenheit grüßt mit Shalom,
Ihre Pröpstin Dr. Friederike F. Spengler
Regionalbischöfin der Propstei Gera-Weimar